
»Die Regie von Pit Holzwarth setzt darauf, die absurde Komik aus Tschechows meist tragisch inszeniertem letzten Stück herauszulesen - schließlich bestand der Autor selbst ausdrücklich auf der Bezeichnung ›Komödie‹. Dafür wird das Halbrund des Filmtheaters zu einem surreal anmutenden, entfernt zirkushaften Un-Ort, an dem das zwölfköpfige Ensemble sich zum Tanz auf dem Vulkan trifft. Die Rolle des Clowns fällt Renato Grünig zu, der als greiser Diener Firs auch Regieanweisungen vorträgt; Susanne Höhne gibt als Gouvernante Iwanowna die geheimnisvolle Zauberkünstlerin und Claudia Hübschmann die Zirkusprinzessin als Stubenmädchen Dunjascha. Hinzu kommen Henning Sembritzki als ewiger Student, Dirk Witthuhn als tollpatschiger Buchhalter und Lenin-Double sowie Till Bauer als jugendlicher Draufgänger Jascha. Herausragend gelingt Peter Grünig die Darstellung des ebenfalls von Geldsorgen gepeinigten Gutsbesitzers Pischtschik, der im Gegensatz zur Familie der Ranjewskaja das Glück noch im letzten Moment am Zipfel zu packen bekommt.«
(Kieler Nachrichten)
»Der Lübecker Kirschgarten wird zum Circus Maximus einer untergehenden Welt. Holzwarth verlegt die Handlung in ein Kino (Ausstattung: Werner Brenner), auf dessen Leinwand wie im Kirschgarten Sehnsüchte, Hoffnungen, Träume projiziert werden - ein emotionaler Wartesaal, in dem die Gefühle überschwappen, während das Tun erstarrt. [...] Als die russischen Buddenbrooks bieten die Lübecker ihren Kirschgarten an. Hier wie da verfällt eine Familie inmitten einer ebenfalls verfallenden Epoche, hier wie da geht es um das Unvermögen, sich dem Wandel zu stellen. Das ist ziemlich komisch und Holzwarth entdeckt reichlich Steilvorlagen. Das würzt das Stück, ohne es mit Albernheit zu verderben. Eine Kunst, die das Bühnenpersonal ebenfalls beherrscht. [...] Ein pralles Stück Theater!«
(shz)
»Pit Holzwarth zaubert aus dem melancholischen Abschiedsstück eine surreale Groteske des Niedergangs und des Versagens. [...] Der Regisseur versteht es, die Tragödie, die die Geschichte durchdringt, über eine große Strecke mit Slapsticks und surrealen Einlagen auf hohem komödiantischem Niveau zu halten. [...] Die Darsteller ragen in der Inszenierung heraus: Astrid Färber als Ranjewskaja - ein ergraute Diva, daneben spielt Götz van Ooyen den blasierten Bruder. Dazu Renato Grünig als Kammerdiener Firs, der die einstige Noblesse staksend über die Bühne trägt. Dann noch eine Entdeckung: Peter Grünig ist ein reifes Bewegungstalent, beim Abschiedsfest der Ranjewskaja taumelt und springt, tanzt und chargiert er wie ein hyperaktives Kind. Anne Schramm als Pflegetochter Warja macht sich hässlich, so gut sie kann, Will Workman spielt Lopachin als immer zu lauten, erregten Grobmotoriker, Susanne Höhne ist als Gouvernante die Unheimliche der Sippe, Dirk Witthuhn gibt dem Unglücksraben Jepichodow körperliche Präsenz.«
(Lübecker Nachrichten)
»Pit Holzwarth führt die Figuren seines Tschechow-Panoptikums wie stets konsequent bis in die Fingerspitzen. Die Schauspieler stürzen sich in ihre Rollen mit uneingeschränkter Vehemenz. Astrid Färber (Ranjewskaja) schwebt aller Realität davon, Lisa Charlotte Friederich (Tochter Anja) ist auf Orientierungssuche und Pflegetochter Warja (Anne Schramm) eine Landpomeranze, Götz van Ooyen (Gajew) verdünnisiert sich in dekadenter Arroganz, Will Workman gibt dem Aufsteiger Lopachin dumpfdreiste Lautstärke, Henning Sembritzki dem Studenten Trifomow das Standbild eines aufmüpfigen Versagers und Peter Grünig die Parodie von Gutsbesitzer Pischtschik. Der uralte Firs, Traumrolle jedes Ensemble-Doyens, ist bei Renato Grünig ein pantomimisch durchgestyltes Glanzstück.«
(Lübecker Stadtzeitung)



















