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Der Gott des Gemetzels
»... bitte, wir können auch anders!«
Tolerant, konsensorientiert und politisch korrekt – ganz nach dem Verhaltensdesign westeuropäischer Bildungsbürger wollen zwei Elternpaare den handfesten Schulhof-Streit ihrer jungen Söhne durch ein nachmittägliches Gespräch im Wohnzimmer beilegen. Es geht um die Frage aller Fragen des Miteinander: Können wir beherrschen, was uns beherrscht? Kinder können es (noch) nicht - und so hat Ferdinand R. vermutlich aus Eifersucht Bruno H. zwei Schneidezähne ausgeschlagen. Wenn die Kinder nicht mehr miteinander reden, können es die Eltern tun; darum hat Ferdinands Vater, der Rechtsanwalt Axel R., zusammen mit seiner Frau, der Vermögensberaterin Annette R., beschlossen, sich mit Brunos Eltern, dem Hausartikel-Verkäufer Michael H. und der Schriftstellerin Veronika H. zu treffen.

In der Inszenierung von Constanze Kreusch, die nach erfolgreichen Arbeiten u.a. am Dresdner Staatsschauspiel und Staatstheater Braunschweig zum ersten Mal in Lübeck inszeniert, findet das Treffer der beiden Eltern-Paare auf neutralem Gelände, in der Schule ihrer Kinder, statt. Beide Paare sind sich einig darüber, selbstverständlich Vorbild zu sein und den Konflikt zu bereinigen. Doch unter der pädagogisch korrekten Oberfläche des zivilisierten Gesprächs lauert der archaische Abgrund der Rache für Verletzungen und Schuldgefühle jeglicher Art. Ist Ferdinand ein verwilderter Junge, und was sagte dies über seine Eltern aus? Wer hatte eigentlich schuld an dem Streit, und wäre eine durch die Eltern verordnete Aussprache der Kinder nicht eine einseitige Strafmaßnahme? Deutet Michael H.s Aversion gegen den Hamster seiner Tochter Camilla nicht auf ein gestörtes psychisches Gleichgewicht hin? Und decken Rechtsanwälte wie Axel R., der während des Gesprächs immer wieder in einer Gerichtssache telefoniert, nicht die betrügerischen Machenschaften von Pharmaziekonzernen?

Was in Yasmina Rezas »Der Gott des Gemetzels« als Eltern-Treffen im Geist der Versöhnung beginnt, entzündet sich durch die unterschiedliche Einschätzung scheinbar banaler Alltagsdinge zu einem alptraumhaften Streit über Lebensauffassungen und -entscheidungen. Das zivilisierte Wohnzimmer wird zum Beichtstuhl und zur Anklagebank, aus dem Geist der Versöhnung der Ungeist des Gemetzels.

Yasmina Reza, weltberühmt geworden durch ihr Schauspiel »Kunst«, hat mit »Der Gott des Gemetzels« einen neuen Theatercoup geschrieben – irrwitzig, psychologisch subtil und in Zeiten der Inflation pädagogischer Eltern-Ratgeber sehr aktuell. Ein Fest für vier Schauspielerinnen und Schauspieler!

Wiederaufnahme
05/11/10

Kammerspiele
 
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Fr
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SpielfeldWirklichkeit: Komödie der Erziehung

Dauer 1 Stunde, 30 Minuten (keine Pause)

Inszenierung Constanze Kreusch
Ausstattung Petra Wilke